ProfiFoto 12/2014 – Zum ersten mal in einem Magazin

Zum ersten mal in meinem Leben und zum ersten mal als Fotograf bin ich in einem Fachmagazin zu sehen. Es geht in der aktuellen Ausgabe um die Verschärfung des Paragraphen 201a StGB, die Fotografieren und gerade Streetfotografie zu einem Strafbestand machen könnte.

Das Heft gibt es hier: http://www.profifoto.de/nc/news/rubrik/news/43628/

magazin

Straftatbestand Fotografieren
Grenzgänger

Als Street- und Peoplefotograf steht man immer mit einem Bein im Gefängnis. Das nun das andere Bein ebenfalls nachrückt, befürchten auch viele Bildjournalisten und Reportagefotografen. Denn die Gesetzesinitiative von Bundesjustizminister Heiko Maas, die in erster Linie den Besitz und Handel mit Kinderpornografie eindämmen soll – was ja absolut zu begrüßen ist – schränkt den Gestaltungsfreiraum von Bildermachern im öffentlichen Raum weiter ein. Somit läuft der gut gemeinte und in der Sache richtige Aktionismus Gefahr, zum schlecht gemachten Gesetz zu mutieren.

Insbesondere die Erweiterung von § 201a StGB dürfte sich für die fotografische Praxis als schwierig erweisen. Dieser Entwurf untersagt unter Strafandrohung Bildaufnahmen, „die Personen in einer Weise zeigen, die geeignet ist, deren Ansehen erheblich zu schaden, …, unabhängig davon, ob die abgebildete Person sich in einer Wohnung oder in einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet“.  Mit anderen Worten, wird jemand in der Öffentlichkeit fotografiert und die betreffende Person findet sich „falsch“ dargestellt, dann droht dem Fotografen eine Strafanzeige. Ein Beispiel: XY randaliert während einer Demonstration und wird dabei fotografiert – das Foto wird abgedruckt – XY fühlt sich diffamiert – der Fotograf erhält eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.  Was also diese Erweiterung des Paragraphen 201a StSB für Folgen für Bildjounalisten im Speziellen und Fotografen im Allgemeinen hat, lässt sich kaum abschätzen. Es hängt wohl von der Definition des Wortes „erheblich“ ab. Doch wer will, darf und kann dies überhaupt festlegen?

 

Das wollte ProfiFoto wissen

1) Fotografieren verboten? Welche Auswirkungen kann der Gesetzentwurf auf die fotografische Praxis haben? Was darf dann im Rahmen der Street-Photography überhaupt noch abgelichtet werden? Muss in Zukunft, wie bereits jetzt bereits bei kommerziellen Aufnahmen, jede Person in einer Straßenszene ihr schriftliches Einverständnis geben?

Meiner Meinung nach ist das schriftliche Einverständnis bei Aufnahmen die unter das direkte Persönlichkeitsrecht fallen die sicherste und unanfechtbarste Methode ein Bild zu erstellen und zu veröffentlichen. Nun ist dies gerade bei Street-Fotografie teilweise ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen. Durch ein Urteil des BHG vom 20.02.1968 (VU ZR200/66) kann die Zustimmung zu einer Aufnahme aber auch schon durch das reine „dulden“ der Aufnahme entstehen. Meines Erachtens nach wird dieser Gesetzesentwurf keine direkten Auswirkungen auf mein Fotografieren auf der Straße haben, denn auch wenn der Gesetzesentwurf laut Wortlaut einen Strafbestand in der Herstellung von Aufnahmen sieht die „das ansehen der abgebildeten Person erheblich schadet“ so sehe ich die tatsächliche Anwendung eher im Bereich der Bestrafung von Fotografen die Kinderpornographisches Material erstelle, ins besondere „Posingbilder“.

2) Schöne neue Welt – nur noch die Sonnenseite der menschlichen Natur dürfen fotografiert und gezeigt werden. Viele Aufnahmen der Zeitgeschichte hätten aufgrund der neuen Gesetzvorlage niemals veröffentlicht werden dürfen wie z.B. die Aufnahme von Phan Thị Kim Phúc aus dem Vietnamkrieg von Fotograf Nick Út, der den Schrecken der Napalmangriffe in einem einzigen Bild manifestiert etc. Können solche Aufnahmen in Zukunft noch gezeigt werden? Wird von Seiten des Gesetzgebers nicht überkompensiert?

Überkompensation oder Schutz besonderer Schutz von Menschen, welche sich oft nicht wehren können – dies ist hier meiner Meinung nach Auslegungssache. Im konkreten Fall der Aufnahme von Phan Thị Kim Phúc würde dieses Bild wahrscheinlich nicht das Recht am eigenen Bild verletzen oder mit dem Paragraphen in Konflikt kommen da dieses Bild meines Erachtens nach unter §23 Abs. 1 KunstUrhG für „Personen der Zeitgeschichte“ fallen wird. Aber betrifft uns People- oder Streetfotografen das direkt? Emotionen einzufangen und auf Bildern rüber zu bringen ist, neben dem Künstlerischen Aspekt,  schon jeher das Hauptaugenmerk von Fotografen. Solange das Persönlichkeitsrecht gewarnt wird, und sei es mit dem „dulden“ der Aufnahme, werde ich weiterhin Menschen auf der Straße fotografieren.

3) Fotografen als moralische Instanz? Oder wer definiert was das Ansehen fotografierter Personen erheblich schadet? Und wann der Fotograf den Auslöser drücken darf – oder ebene nicht?

Im schlimmsten Fall wird dies das jeweilige Gericht entscheiden müssen, aber dazu wird es mit diesem Paragraphen nicht kommen. Ich hoffe und wünsche mir das dieser Paragraph – auch wenn er extrem genommen uns alle direkt betrifft – zum Schutz der diffamierten und ausgebeuteten Kinder und Heranwachsenden ausgelegt wird und Personen zu Rechenschaft zieht die meinen das heranwachsende Jungen und Mädchen Sexobjekte sind.